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Mit der Dualen Oberschule (DOS) verfolgt das Land Rheinland-Pfalz das bildungspolitische Ziel, allgemeine und berufliche Bildung stärker als bisher aufeinander zu beziehen und miteinander zu verknüpfen. Duale Oberschulen sind Schulen der Sekundarstufe I, die besonders eng mit berufsbildenden Schulen zusammenarbeiten. Gemeinsame Ziele der kooperierenden Schulen liegen in der Verbesserung der Berufswahlvorbereitung, in der nachhaltigen Förderung fachlicher und überfachlicher Qualifikationen und der Stärkung praktischer und wirklichkeitsnaher Unterrichtskonzepte. Durch dieses Schulangebot sollen sich mehr qualifizierte Schülerinnen und Schüler für die "berufliche Schiene" individueller Bildungsplanung begeistern können.
Duale Oberschulen bieten ab Klassenstufe 7 einen Haupt- und einen Realschulbildungsgang bis hin zur Klassenstufe 10. Schülerinnen und Schüler, die bereits nach 9 Schuljahren in die berufliche Bildung wechseln wollen haben an der Dualen Oberschule eine besondere Option. Sofern sie die Klassenstufe 9 der Dualen Oberschule mit einem besonderen Qualifikationsvermerk abschließen, sind sie berechtigt, in der Berufsschule in den Fächern Deutsch/Kommunikation, Mathematik und Englisch den Lernbaustein I zu überspringen. Das Lernbausteinkonzept umfasst jeweils zwei Lernbausteine, die im Umfang von 80 Stunden pro Fach über 3 Jahre angeboten werden. Diese Schülerinnen und Schüler bekommen damit 120 Unterrichtsstunden angerechnet. Die gewonnene Zeit kann ausbildungsbegleitend zum Besuch des Fachhochschulreifeunterrichts genutzt werden. Schülerinnen und Schüler, die sich für diesen Weg entscheiden, können so schneller die Fachhochschulreife erreichen.
Die Option eines verkürzten Bildungsweges für DOS-Schülerinnen und -Schüler innerhalb der berufsbildenden Schule ist jedoch nicht die einzige Verbindung zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung. Die Kooperation zwischen Dualen Oberschulen und benachbarten berufsbildenden Schulen vollzieht sich auch auf methodisch-didaktischer und fachlicher Ebene. Die Qualität der Berufswahlvorbereitung, die Vermittlung überfachlicher Lernziele, wie z.B. der Kommunikations- und Kooperationskompetenzen und die Verständigung über die Frage, welche Basisqualifikationen eine Schülerin bzw. ein Schüler an der Schwelle zur Berufsausbildung unbedingt mitbringen sollte, das waren und sind die Themen, an denen die Partnerschulen (DOS/BBS) gemeinsam arbeiten.
Kennzeichen für diese Arbeit, wie auch für das besondere Profil Dualer Oberschulen insgesamt, sind ...
A ... Kooperationsvereinbarungen zwischen Dualen Oberschulen und benachbarten berufsbildenden Schulen
B ... ein durchgängiges Konzept der Berufswahlvorbereitung
C ... handlungs- und praxisorientierter Projektunterricht im neuen Fach "Praxis in der Schule"
D ... eine an ganzheitlichen Prinzipien ausgerichtete Kultur des Lehrens und
Lernens.
Kooperationsvereinbarungen DOS/BBS
Alle Dualen Oberschulen haben ihre enge Kooperation mit den benachbarten berufsbildenden Schulen in so genannten Kooperationsvereinbarungen schriftlich fixiert. Diese Vereinbarungen sind als verpflichtender Bestandteil in die "Pädagogischen rechtlichen Rahmenbedingungen" der Dualen Oberschulen eingegangen. Die Kooperationsaktivitäten beziehen sich auf die Bereiche: Berufswahlvorbereitung, Zusammenarbeit im Übergabeprofil, Weiterbildungsmaßnahmen und Organisation. Konkret geht es um Vereinbarungen bezüglich gegenseitiger Schul- und Unterrichtsbesuche, Unterstützung bei Unterrichtsprojekten, Ausarbeitung von Lernaufgaben, Teilnahme an Fachkonferenzen, Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen, Begleitung der DOS-Schüler an der berufsbildenden Schule und Kooperation der Schulen mit Kammern, Innungen und ausbildender Wirtschaft.
Die vereinbarten Kooperationsaktivitäten sind den jeweiligen Rahmenbedingungen entsprechend unterschiedlich ausgeprägt. So werden beispielsweise Lehrer- und Lernortkooperationen zwischen nah beieinander liegenden Schulen leichter realisiert als zwischen Schulen die größere Entfernungen zu überwinden haben.
Das Konzept der Berufswahlvorbereitung
Schülerinnen und Schüler der Dualen Oberschule lernen bereits frühzeitig die Angebote und Chancen des Dualen Systems der Berufsausbildung sowie die zahlreichen Bildungsangebote der berufsbildenden Schulen kennen. Ab Klassenstufe 6 beginnen sie mit dem Fach "Praxis in der Schule", in Klassenstufe 7 folgen die ersten Berufs- und Betriebserkundungen und in Klassenstufe 8 besuchen sie das erste Betriebspraktikum. Ein spezielles Bewerbungstraining "Fit für den Berufseinstieg" (FiBs) und ein weiteres Betriebspraktikum folgen zu Beginn der Klassenstufe 9. In dieser Jahrgangsstufe nimmt auch die Spezialisierung im Fach "Praxis in der Schule" ihren An-fang. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich, ihren Neigungen entsprechend, für zwei der ursprünglich drei Lernbereiche. In Klassenstufe 10 belegen die Schülerinnen und Schüler im Fach "Praxis in der Schule" nur noch einen Lernbereich und haben hier im 2. Halbjahr die Aufgabe, ein Projekt selbstständig auszuwählen, zu planen und durchzuführen (Halbjahresarbeit). Damit sind lediglich die besonderen Aktivitäten der Dualen Oberschulen in Bezug auf die Berufswahlvorbereitung beschrieben. Arbeitsämter, Ausbildungsbetriebe und berufsbildende Schulen sind, wo immer sich Möglichkeiten ergeben, an der Berufswahlvorbereitung beteiligt.
Das Fach Praxis in der Schule
Dieses Fach ist das Kern- bzw. Leitfach der Dualen Oberschule. Es wird ab Klassenstufe 6 unterrichtet und bezieht sich auf die Lernbereiche Technik und Naturwissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung sowie Hauswirtschaft und Sozialwesen. (Anm.: Die Lernbereiche sind identisch mit der klassischen Zuordnung der unterschiedlichsten Ausbildungsberufe auf die verschiedenen berufsbildenden Schulen.) Informationstechnische Grundbildung wird zunächst als eigenständiger Unterrichtsblock, mit zunehmender Schulzeit jedoch integrativ, als anwendungsbezogener Teil des Faches "Praxis in der Schule" unterrichtet.
Im Fach "Praxis in der Schule" lernen Schülerinnen und Schüler anhand von Lernaufgaben wichtige berufswahlvorbereitende, fachliche und überfachliche Inhalte. Themen und Aufgabenstellungen der Lernaufgaben sind so gewählt, dass sie für den jeweiligen Lernbereich sowie für berufliche und gesellschaftliche Zusammenhänge bedeutsam sind. In der Regel vollzieht sich der Unterricht in Form offener Projekte, die den Schülerinnen und Schülern gezielt Raum zur Entwicklung von Eigeninitiative und Verantwortung geben. Lehrplan und Lernaufgaben für dieses neue Unterrichtsfach wurden von Lehrkräften beider Schularten (DOS/BBS) und Lehrplanexpertinnen und -experten entwickelt. Dabei sind auch Forderungen der ausbildenden Wirtschaft hinsichtlich notwendiger "Schlüsselqualifikationen" und einer verbesserten Berufswahlvorbereitung berücksichtigt.
Die ganzheitliche Lernkultur
Das Bemühen um eine ganzheitliche Kultur des Lehrens und Lernens, versteht sich als logische Konsequenz auf die veränderten Anforderungen der Berufswelt. Es kommt heute eben nicht mehr nur auf die Menge des angelernten fachspezifischen Wissens an. Dieses Wissen verliert vor allem dann, wenn es ohne Praxisbezug und Hinweis auf die Dynamik möglicher Entwicklungen vermittelt worden ist, schnell seine Bedeutung. Methodische, soziale und individuelle Kompetenzen, die den Einzelnen befähigen, sein Lernen selbst zu regulieren und zu steuern, werden immer bedeutsamer. Deshalb legen die Dualen Oberschulen fachübergreifend besonderen Wert auf die Vermittlung verschiedener Arbeitsmethoden wie Kommunikations-, Präsentations- und Selbstlerntechniken. Duale Oberschulen führen, um diesen pädagogischen Ansatz zu stützen, zu Beginn eines jeden neuen Schuljahres sogenannte "Sockeltrainings" durch. (Anm.: Umfang ca. 18 Unterrichtsstunden im Block / jährlich) Hier werden den Schülerinnen und Schülern, über alle Fächergrenzen hinweg, methodische Grundlagen vermittelt, die sie für die Ausbildung kooperativer und kommunikativer Basiskompetenzen benötigen. Von Klassenstufe 5 an werden in diesen "Sockeltrainings" Methoden gelernt und anschließend im Unterricht immer wieder trainiert. In Klassenstufe 5 und 6 (Orientierungsstufe) liegt der Schwerpunkt des Methodentrainings im Bereich "Lernen lernen", in Klassenstufe 7 heißt der Schwerpunkt "Kommunikation", in Klassenstufe 8 geht es um "Teamentwicklung", in Klassenstufe 9 um das richtige "Bewerben" und in Klassenstufe 10 um "Rhetorik".
