Modellversuchsergebnisse
Zentrale Untersuchungsergebnisse des Modellversuchs Duale Oberschule
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse des Modellversuchs Duale Oberschule kurz zusammengefasst. Eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung und der Entwicklungsarbeit innerhalb der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften erhalten Sie im
Abschlussbericht des Modellversuchs (312 Seiten, s. auch Downloads/
Bestellmaterialien) oder über die Broschüre: "
Zentrale Ergebnisse des Modellversuchs Duale Oberschule" (50 Seiten, s. auch Downloads/
Bestellmaterialien).
1. Ergebnisse in Bezug auf die Sekundarstufe I
2. Ergebnisse in Bezug auf die Sekundarstufe II
3. Resümee des Gesamtergebnisses
Ergebnisse in Bezug auf die Sekundarstufe I
Zu den drei Pilotschulen aus dem Jahre 1996 sind im Laufe des Modellversuches elf weitere Schulen hinzugekommen. Diese vierzehn Schulen werden von fast 7000 Schülerinnen und Schülern besucht.
Die Duale Oberschule hat sich im Bereich der Sekundarstufe I als eine von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern sowie Betrieben und berufsbildenden Schulen hoch akzeptierte Schulart mit systematisiertem Übergang in die Berufsausbildung etabliert. Wichtige Zielsetzungen des Modellversuchs, wie eine intensive und konzeptionell abgestimmte Berufswahlvorbereitung, die Implementierung eines neuen praxis- und handlungsorientierten Unterrichtsfachs, die Förderung enger Kooperationen mit berufsbildenden Schulen, Betrieben und Kammern sowie eine grundsätzliche Wende hin zu einer an ganzheitlichen Prinzipien orientierten Lernkultur können aufgrund der Untersuchungsergebnisse als erreicht angesehen werden.
Sichtbare Ergebnisse dieser Arbeit sind...
- der konsequente Ausbau schülerzentrierter Unterrichtsformen und ein deutlich erhöhter Einsatz von Methoden, die die Selbstständigkeit und das eigenständige Lernen der Schülerinnen und Schüler fördern,
- die gelungene Integration des Computers in den Unterricht unterschiedlicher Fächer als ein die eigene Aktivität und Verantwortung förderndes Medium,
- die positiven Rückmeldungen von Schülern, Eltern, Lehrern und Betrieben in Bezug auf die Qualität der Berufswahlvorbereitung, des Bewerbungstrainings und der inhaltlich-methodischen Arbeit im Fach "Praxis in der Schule",
- die hohe Akzeptanz der Schulart und des neuen Unterrichtsfachs "Praxis in der Schule", das sich als zukunftsorientiertes Fach etabliert hat,
- die konzeptionelle Entwicklung eines über die Fächergrenzen hinweg abgestimmten "Netzplan Berufswahlvorbereitung",
- ein geschärftes Übergabeprofil der Schülerinnen und Schüler der Dualen Oberschule im Hinblick auf die berufsbezogenen Lerninhalte der Berufsschule,
- die schriftlichen Vereinbarungen mit den kooperierenden berufsbildenden Schulen, die die Zusammenarbeit strukturieren, dokumentieren und öffentlich machen, und
- erfolgreiche und preisgekrönte Projekte mit den kooperierenden berufsbildenden Schulen zum Thema "Berufswahlvorbereitung und Bewerbertraining".
Die Entwicklung der Dualen Oberschulen innerhalb der Sekundarstufe I ist, gemessen an den Zielsetzungen des Versuchs, gelungen.
Ergebnisse in Bezug auf die Sekundarstufe II
Für die Entwicklung der Dualen Oberschule in der Sekundarstufe II (9+3) ist Folgendes festzustellen:
Die Schülerinnen und Schüler, die diesen Weg beschritten haben, sind überwiegend von der Richtigkeit ihrer Berufsentscheidung überzeugt. Sie werden von ihren Ausbildern als motivierte und zielstrebige Auszubildende geschätzt.
Es ist zu erwarten, dass die Schülerinnen und Schüler Voraussetzungen mitbringen, um die Doppelqualifikation (Berufsabschluss und qualifizierter Sekundarabschluss I) erfolgreich abzuschließen.
Damit sind zwei wichtige Ziele des Modellversuches erreicht, zum einen für den Betrieb qualifizierte Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter bereitzustellen, die auch in der Lage sind, sich betrieblich weiterzubilden. Zum anderen haben diese Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Angebote zur Höherqualifizierung der berufsbildenden Schule anzunehmen. (Anm.: Gemeint sind hier vor allem die Übergangspositionen in die Duale Berufsoberschule bzw. in die Berufsoberschule I und II, die mit erfolgreichem Abschluss den Weg zur Fachhochschule bzw. zur Universität ebnen.)
Entgegen der Annahme, dass bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Betrieben ein großes Interesse für den Bildungsgang 9+3 bestehe, sind bislang nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler diesen Weg gegangen. Ein entsprechendes Bildungsangebot wurde zwar realisiert, ist jedoch aus unterschiedlichen Gründen auf Schwierigkeiten gestoßen. Das Ziel, einen durchgängigen Bildungsgang Duale Oberschule in den Sekundarstufen I und II zu etablieren, konnte bisher nicht hinreichend umgesetzt werden.
Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler geht über den klassischen Weg der 10. Klasse in die berufliche Erstausbildung.
Resümee des Gesamtergebnisses
Insgesamt gelingt es den Dualen Oberschulen, das Interesse der Jugendlichen an beruflicher Bildung zu erhöhen. Der Anteil der DOS-Schülerinnen und Schüler, die mit dem mittleren Abschluss direkt eine Berufsausbildung beginnen, liegt höher als im Bundes- oder Landesschnitt. Trotz der regional sehr unterschiedlichen Arbeits- und Ausbildungsmarktverhältnisse kann dies als Indiz für eine insgesamt erfolgreiche Arbeit der Dualen Oberschule gewertet werden. Das Ziel, allgemeine und berufliche Bildung stärker als bisher miteinander zu verzahnen, kann als erreicht angesehen werden.
Die Anschlussfähigkeit an weiterführende Bildungsgänge zeigt sich unter anderem auch daran, dass circa 20% der Profilstufen II-Schülerinnen und -Schüler der Dualen Oberschule nach dem erfolgreichen Abschluss der Klassenstufe 10 ein allgemeinbildendes bzw. berufliches Gymnasium besuchen.
Es ist deutlich festzustellen, dass sich in der Dualen Oberschule ganzheitliches Lernen erfolgreich etabliert hat und eine systematische Berufsorientierung realisiert wird. Die individuelle Förderung ist durch ein strukturiertes Konzept festgeschrieben. Die Duale Oberschule erfüllt damit zentrale Anforderungen an eine zukunftsorientierte Schulart in der Sekundarstufe I.
Damit das berufsbezogene Profil der Dualen Oberschule auch künftig gewahrt und gefestigt wird, ist es notwendig, die "Berufswahlkoordinatoren" zu erhalten. Die dauerhafte Kooperation mit den berufsbildenden Schulen sowie eine noch stärkere Öffnung der Dualen Oberschulen zur Berufs- und Arbeitswelt sind weiterhin vorrangige Aufgaben.
Zur Sicherung der Unterrichtsqualität im Fach "Praxis in der Schule" müssen Qualifizierungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer geschaffen und unterstützende Fortbildungsangebote intensiviert werden. Notwendig ist auch die Ernennung von Fachberatern für dieses neue Unterrichtsangebot, das sich zum Leitfach der Dualen Oberschule entwickelt hat.
Die Duale Oberschule hat sich in Rheinland-Pfalz zu einem leistungsfähigen Bildungsangebot der Sekundarstufe I entwickelt.
Es gilt, das Profil der Dualen Oberschule bezüglich
- ihrer Art individueller Förderung,
- dem aus der Berufspädagogik übernommenem Konzept ganzheitlichen Lernens und
- einer in enger Abstimmung mit der berufsbildenden Schule und der ausbildenden Wirtschaft entwickelten systematischen Berufsorientierung
zu sichern und in seiner verbindlichen und zugleich entwicklungsoffenen Form konsequent weiterzuführen.
